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TANAP

Was bedeutet TANAP?

TANAP ist eine Abkürzung für Tatra-Nationalpark (Tatranský národný park). Sie finden diese Bezeichnung auf Hunderten von Orientierungs- und Informationstafeln, auf verschiedenen Aushängen und Landkarten, in Informationsbroschüren und im Titel der Zeitschrift „Vysoké Tatry", die von der Verwaltung des Tatra-Nationalparks in Tatranská Lomnica herausgegeben wird. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich eine Institution, die ein Garant für den Schutz der Tatra-Landschaft ist. Sie stellt eine Hoffnung für deren Erhaltung auch in künftiger Zeit dar und gibt Ihnen Hinweise dafür, wie Sie sich in der Tatralandschaft zu bewegen und zu verhalten haben.

Bereits im 19. Jahrhundert waren sich die Liebhaber des Gebirges der Zerstörung landschaftlicher Werte durch eine ungeregelte wirtschaftliche Ausbeutung bewusst. Die komplizierten Besitzverhältnisse und weitreichenden Machtbefugnisse der Eigentümer unter den Bedingungen der ehemaligen Monarchie gaben keine Möglichkeit zu umfassenderen und wirksameren Schutzmaßnahmen. Dennoch wurde zumindest ein relativ strenger Artenschutz erreicht, der für die am stärksten bedrohten Tier- und Pflanzenarten (Bären, Murmeltiere, Gämsen, Adler, Edelweiß und Zirbelkiefern) galt. Ein im Tal Velická dolina gelegenes botanisch wertvolles Terrain, die Kvetnica, wurde vom Karpatenverein als Ganzes gepachtet, man wollte es so vor der Zerstörung durch den Viehtrieb bewahren.

In den Jahren kurz nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu gemeinsamen Bemühungen tschechoslowakischer und polnischer Naturwissenschaftler und Funktionäre von Touristenverbänden. Aus deren Erkenntnissen und Vorschlägen ergab sich ein erstes umfassendes Projekt zum Schutz der Tatralandschaft in Form eines bilateralen Tatra-Nationalparks. Eine 1926 veröffentlichte Resolution des Verbandes slawischer Touristenvereine empfahl zusätzlich zum Projekt eines bilateralen Naturschutzparks in der Tatra die revolutionäre Forderung, man solle nicht länger Einzelbesitzer und Erwerbsgenossenschaften frei über das zu schützende Gebiet verfügen lassen, sondern es der Aufsicht einer staatlichen Kommission unterstellen, die aus Vertretern der Touristenvereine und wissenschaftlicher Kreise aus beiden Ländern zusammengesetzt sein sollte.

Größtes Hindernis bei all diesen Bestrebungen, den TANAP zu verwirklichen, waren weiterhin die persönlichen Interessen der Landbesitzer in der Tatra. Die Position der Großbauern und des Landadels brachte die Annahme eines Enteignungsgesetzes, das eine eindeutige Lösung bedeutet hätte, zu Fall. Als die Bewegung, die sich den Schutz der Tatralandschaft zum Ziel setzte, aufkam, besaß der Staat einige kleinere Ländereien im Gebiet des Berges Kriváň, dort gehörten ihm die Täler Tichá dolina und Kôprová dolina. Seither reagierte er schnell auf jede sich bietende Gelegenheit und erweiterte seinen Grundbesitz durch Dutzende größerer oder kleinerer Landkäufe. Im Jahre 1918, zur Zeit des Staatssturzes, waren etwa 14.500 Hektar der Tatra in staatlichem Besitz und zur Zeit der Wiedererrichtung des tschechoslowakischen Staates im Jahre 1945 waren es runde 29.300 Hektar. Durch die Sozialisierung des Grundbesitzes wurde jener Prozess abgeschlossen, der zu Recht davon ausging, dass nur rationelle und gezielte Schutzmaßnahmen auf staatlichem Grund und Boden die Garantie für eine immer notwendiger werdende umfassende Vorsorge für den Schutz der Tatralandschaft bieten können. Durch ein Gesetz des Slowakischen Nationalrates, das am 18. 12. 1948 erlassen wurde und Anfang 1949 in Kraft trat, wurde das Landschaftsschutzgebiet TANAP Wirklichkeit.

Der Tatra-Nationalpark umfasst das gesamte slowakische Gebiet der Hohen Tatra, der Belianske Tatry sowie den östlichen Teil der Westtatra mit dem Tal Tichá dolina. Seine Gebietsfläche beträgt 510 km2. Damit das dicht besiedelte, wirtschaftlich und industriell genutzte Vorland am Fuße des Gebirges keine ungünstigen Auswirkungen auf die Landschaft der Tatra haben kann, ist es durch einen Schutzgürtel von dieser getrennt, der im Süden von den beiden Hauptflüssen des Tatra-Vorlandes, dem Poprad und Váh (Waag) begrenzt wird und den auch die Westtatra umfasst.

Das unter Landschaftsschutz stehende Gebiet, das von der Verwaltung des TANAP kontrolliert wird, schließt eine Fläche von 700 km2 ein. Im Jahre 1954 wurde auch die polnische Tatra zum Nationalpark (Tatrzański Park Narodowy, TPN) erklärt.

Mit der gesetzlichen Institutionalisierung des Tatra-Nationalparks wurde in der Hohen und der Belianske Tatry jede wirtschaftliche Nutzung (Weidewirtschaft, Gewinnung von Steinen und Sand, Sammeln von Pflanzen und Früchten usw.) ausgeschlossen, ebenso auch Jagd und Fischfang. Die Forstwirtschaft fügte sich den strengen Schutzabsichten und dem Bestreben, die ursprüngliche Struktur des Pflanzenbestandes wiederherzustellen. Für die weitere Entwicklung der Touristikzentren, Verkehrsverbindungen und Sporteinrichtungen wurde ein Limit festgesetzt, das die Belastungsfähigkeit der Umwelt im Verhältnis zu den ihr abverlangten Funktionen berücksichtigt. Durch die Einrichtung von Parkplätzen als Auffangstationen für Autos am Rand der Tatra und durch ein flexibles öffentliches Verkehrsnetz soll das Problem eines übermäßig starken Autoverkehrs, der zur Zeit den Erholungswert der Hohen Tatra in der Zone der klimatischen Zentren beeinträchtigt, gelöst werden. Da die Hohe Tatra nur einen kleinen Teil einer touristisch sehr reizvollen weiten Region darstellt, ist sie in einen großen Gebietsplan einbezogen, der den Bereich zwischen dem Stausee Orava im Westen und dem Fluss Dunajec mit dem Nationalpark Pieniny im Osten umfasst. Hier sollen nach bestimmten Richtlinien touristische Einrichtungen, Erholungsstätten, Sanatorien sowie Sportanlagen entstehen.

In der Hohen Tatra überschreitet der Touristenverkehr bereits heute das festgesetzte Limit. Die Verwaltung des TANAP ist daher bemüht, diesen zu erfassen, seinen Verlauf sowie die weitere Entwicklung zu steuern. 225 Kilometer markierte Wanderwege, um deren Instandhaltung sie sich regelmäßig kümmert, stellen ein ausreichendes Netz begehbarer Gebirgspfade dar, so dass selbst ein anspruchsvoller Naturfreund einen Gesamteindruck von der Tatra gewinnt und die markierten Wege nicht zu verlassen braucht. Der Bergrettungsdienst hat das Gelände mit einem perfekten Informationsnetz und Orientierungshilfen ausgestattet. Detailliertes Wissen vermitteln eine umfangreiche Fachliteratur sowie Touristenführer und Bildbände, die sich mit diesem Gebirge befassen, ebenso Lehrpfade mit Erläuterungstafeln und eine Ausstellung im Museum des Tatra-Nationalparks in Tatranská Lomnica, die einen Überblick bietet.